Vernünftig entscheiden - NEUE VERNUNFT

10) Vernünftig entscheiden


Kurs: KLAR UND VERNÜNFTIG DENKEN! – Schritt 10

Entscheide – und stehe für Deine Entscheidung ein!

Wenn aus der Prüfung eine Entscheidung werden soll

Die Antwort soll bis Freitag vorliegen. Auf Deinem Tisch liegt das Angebot für eine neue berufliche Aufgabe, daneben Deine Notizen aus den vergangenen Wochen. Du hast Gespräche geführt, die Tätigkeit näher kennengelernt und geprüft, welche Veränderungen sie für Deinen Alltag bedeuten würde. Vieles ist inzwischen deutlicher geworden; dennoch kannst Du nicht wissen, ob Du in einem Jahr mit Deiner Wahl zufrieden sein wirst. Du liest die Unterlagen noch einmal und bemerkst, dass Du auf einen letzten Grund wartest, der Dir die Entscheidung vollständig abnehmen soll.

Vielleicht müsste dieser Grund so stark sein, dass kein Zweifel mehr möglich wäre. Vielleicht müsste jemand, dessen Urteil Du vertraust, Dir versichern, dass Du den richtigen Weg einschlägst. Doch auch eine solche Versicherung könnte Dir die Zukunft nicht vorwegnehmen. Was jetzt ansteht, verlangt etwas, das durch weitere Auskünfte allein nicht zustande kommt: Du musst bestimmen, welchen Weg Du auf der Grundlage des bisher Erkannten gehen willst.

Du könntest sagen: „Ich nehme die Aufgabe an, weil ich nach sorgfältiger Prüfung gute Gründe für diesen Wechsel habe. Ich weiß, welche Unsicherheiten bleiben, und bin bereit, die damit verbundenen Verpflichtungen zu übernehmen.“ Mit diesem Satz ist noch kein Erfolg zugesichert. Aber es wird erkennbar, wofür Du Dich entscheidest und worauf Du Deine Entscheidung gründest.

Nach dem Noch-nicht-Wissen: Verantwortlich handeln

Im neunten Schritt hast Du gelernt, eine offene Frage offen zu halten, solange die Gründe für ihre Beantwortung noch nicht ausreichen. Du hast das Fehlende genauer benannt und untersucht, welche Erkenntnis sich noch gewinnen lässt. Diese Geduld bleibt auch jetzt bedeutsam. Der zehnte Schritt hebt sie nicht auf; er fragt, wann aus der hinreichenden Prüfung ein verantwortbarer Entschluss werden kann.

Denn das Leben wartet nicht in jedem Fall, bis alle Fragen beantwortet sind. Möglichkeiten haben ihre Zeit, Verpflichtungen beanspruchen eine Antwort, und auch das Fortbestehen einer belastenden Lage hat Folgen. Du musst deshalb den Umfang Deiner Entscheidung mit dem Umfang Deiner Gründe in ein angemessenes Verhältnis bringen. Manchmal trägt die Prüfung einen weitreichenden Wechsel, manchmal zunächst eine begrenzte Erprobung und manchmal das begründete Bleiben.

Die sokratische Leitfrage dieses Schrittes lautet: Welche Entscheidung kann ich nach der bisherigen Prüfung verantworten, und wofür verpflichte ich mich, wenn ich sie treffe? Damit richtet sich der Blick auf den Übergang vom Urteil zum eigenen Tun. Was Du als begründet erkannt hast, soll nun eine bestimmte Gestalt in Deinem Handeln gewinnen.

Was heißt, eine Entscheidung zu treffen?

Du kannst eine Möglichkeit für die besser begründete halten und dennoch weiterleben, als hättest Du keine Wahl getroffen. Du kannst beispielsweise überzeugt sein, dass sich Deine berufliche Tätigkeit verändern sollte, und jeden konkreten Schritt auf später verschieben. Zwischen der Einsicht und ihrem Vollzug liegt eine Aufgabe, die kein noch so sorgfältig formulierter Gedanke von selbst erledigt.

Eine Entscheidung bestimmt, woran Du Dein weiteres Handeln ausrichten wirst. Mit ihr erhält eine der erwogenen Möglichkeiten einen Vorrang, der praktisch werden soll. Du nimmst ein Angebot an, führst ein überfälliges Gespräch, beginnst eine Ausbildung oder sagst eine Aufgabe ab. Andere Möglichkeiten treten dadurch zurück; manche bleiben für später offen, andere werden mit diesem Entschluss aufgegeben.

Gerade deshalb kann Entscheiden schwerfallen. Solange Du erwägst, scheinen mehrere Wege gleichzeitig verfügbar zu bleiben. Sobald Du einen Weg gehst, bindest Du Zeit, Kräfte und häufig auch andere Menschen. Die Entscheidung macht diese Begrenztheit ausdrücklich. Sie verlangt, den gewählten Weg so bestimmt zu benennen, dass Du erkennen kannst, ob Du ihm tatsächlich folgst.

Wann ist eine Entscheidung hinreichend geprüft?

Für die Dauer einer vernünftigen Prüfung gibt es kein allgemeines Zeitmaß. Eine leicht veränderbare Alltagsentscheidung verlangt einen anderen Aufwand als eine Zusage, die Dein Leben und das anderer Menschen über Jahre prägen wird. Wie gründlich Du prüfen solltest, hängt unter anderem davon ab, wie viel auf dem Spiel steht, welche Erkenntnisse erreichbar sind und wie schwer sich eine Fehlentscheidung berichtigen ließe.

Hinreichend geprüft ist eine Entscheidung, wenn die für sie wesentlichen Fragen so weit geklärt sind, wie es unter den gegebenen Umständen vernünftigerweise möglich und erforderlich ist. Du kannst benennen, was Du wählst, welche Gründe dafür sprechen, welcher ernsthafte Einwand dagegensteht und weshalb Du dennoch diesen Weg vorziehst. Außerdem kannst Du sagen, welche Unsicherheit bleibt und was sie für Dein Handeln bedeutet. Eine bloße Sammlung vieler Informationen würde dafür noch nicht ausreichen; entscheidend ist, ob die tragenden Fragen bearbeitet wurden.

Frage deshalb vor einer weiteren Prüfungsrunde: Welche erreichbare Erkenntnis könnte meine Wahl noch wesentlich verändern? Wenn eine wichtige Auskunft fehlt, solltest Du sie suchen, soweit die verfügbare Zeit es zulässt. Wenn Du hingegen zum fünften Mal dieselben Gründe ordnest, ohne eine neue Frage zu gewinnen, wird möglicherweise keine weitere Überlegung den erhofften letzten Ausschlag geben. Dann stellt sich die Aufgabe, auf dem erreichten Stand zu entscheiden.

Auch mehrere verantwortbare Möglichkeiten können übrig bleiben. Vielleicht sind zwei Wege ähnlich gut begründet und dienen auf unterschiedliche Weise einem berechtigten Anliegen. Dann dürfen etwa Deine Neigung und Deine Bereitschaft, Dich einer bestimmten Aufgabe zu widmen, innerhalb dieses geprüften Rahmens den Ausschlag geben. Du brauchst keine zwingende Überlegenheit zu behaupten, um eine begründete Wahl treffen zu können.

Entscheiden, obwohl Zweifel bleiben

Vielleicht erwartest Du von einer guten Entscheidung ein bestimmtes Gefühl: Ruhe, Entschlossenheit oder die Gewissheit, endlich angekommen zu sein. Solche Empfindungen können sich einstellen, doch sie lassen sich weder verlangen noch als Beweis verwenden. Auch eine sorgfältig begründete Entscheidung kann Dich beunruhigen, weil Du mit ihr etwas Vertrautes aufgibst oder eine Aufgabe übernimmst, deren Bewältigung Kraft kosten wird.

Der verbleibende Zweifel verdient deshalb eine genaue Frage. Zeigt er auf einen unbeantworteten Einwand, auf eine ungeklärte Voraussetzung oder auf eine übersehene Verpflichtung? Dann hat er sachliches Gewicht und gehört erneut in die Prüfung. Begleitet er dagegen vor allem die Offenheit des künftigen Verlaufs, muss er nicht verhindern, dass Du Dich entscheidest. Du kannst eine Unsicherheit anerkennen und dennoch genügend Gründe für Dein Handeln besitzen.

Mut erhält hier einen bestimmten Sinn. Er zeigt sich in der Bereitschaft, eine begründete Entscheidung auch dann zu vollziehen, wenn ihre Folgen nicht vollständig überschaubar sind. Wie viel Ungewissheit Du dabei verantworten kannst, hängt wiederum von der Sache ab. Wo ein möglicher Schaden schwer wiegt oder andere Menschen erheblich betrifft, braucht der Entschluss entsprechend stärkere Gründe und sorgfältigere Vorkehrungen.

Unser Beispiel: Vom Berufswechsel zur gewählten Aufgabe

Dein Ausgangssatz lautete: „Ich muss meinen Beruf wechseln.“ Im Verlauf der Prüfung hat sich vielleicht gezeigt, dass Du vor allem eine Tätigkeit suchst, in der Du Deine Fähigkeiten einer Aufgabe widmen kannst, die Du für sinnvoll hältst. Du hast genauer gefragt, welche Aufgabe das sein könnte, ob sie einen anderen Beruf verlangt und welche Wege Dir tatsächlich offenstehen. Aus dem ersten Drängen ist eine bestimmtere Frage geworden: Wofür will ich meine Kräfte einsetzen, und welcher nächste Schritt wird diesem Anliegen gerecht?

Nehmen wir an, Du hast inzwischen eine konkrete Tätigkeit kennengelernt, die Deinem Anliegen entspricht. Du kennst ihre alltäglichen Anforderungen, kannst die absehbaren Belastungen tragen und hast die Verpflichtungen bedacht, die Du anderen gegenüber bereits besitzt. Für diesen Fall könnte Deine Entscheidung lauten: „Ich nehme die neue Aufgabe an. Sie ermöglicht mir nach dem bisherigen Stand, meine Fähigkeiten sinnvoller einzusetzen, und ihre Anforderungen sind mit meinen übrigen Verpflichtungen vereinbar.“

Vielleicht führt Deine Prüfung zu einem anderen Ergebnis. Du entscheidest Dich, im bisherigen Tätigkeitsfeld zu bleiben und dort eine veränderte Aufgabe zu übernehmen. Oder Du stellst fest, dass eine begrenzte Erprobung nötig ist, und legst deren Umfang sowie den Zeitpunkt der anschließenden Entscheidung fest. Wichtig ist, dass der Entschluss dem Ergebnis Deiner Prüfung entspricht. Ein kleiner Schritt darf eine echte Erprobung sein; er sollte nicht immer neue Vorbereitungen erzeugen, durch die die anstehende Wahl dauerhaft fernbleibt.

Auch die Frage nach Deiner Lebensaufgabe muss dafür nicht in jeder Hinsicht beantwortet sein. Du kannst begründet erkennen, dass eine bestimmte Aufgabe Deiner Zuwendung wert ist, ohne damit bereits Dein ganzes künftiges Leben festzulegen. Die Bedeutung des gewählten Tuns lässt sich prüfen, während seine weitere Gestalt offenbleibt. So erhält die große Frage einen bestimmten Ort in dem, was Du jetzt übernimmst.

Für eine Entscheidung einstehen: Rede und Antwort geben

Für Deine Entscheidung einzustehen beginnt damit, dass Du sie als Deine Entscheidung aussprichst. Vielleicht haben Umstände Deinen Spielraum stark eingeschränkt, vielleicht standen nur schwierige Möglichkeiten zur Wahl. Diese Bedingungen gehören in die Begründung. Innerhalb des verbliebenen Spielraums bleibt jedoch zu klären, was Du selbst gewählt hast und weshalb Du es für vertretbar hältst.

Einstehen heißt hier, auf berechtigte Fragen antworten zu können. Du kannst erläutern, welche Umstände Du berücksichtigt, welchen Maßstab Du angelegt und welchen Einwand Du ernst genommen hast. Wer von Deiner Entscheidung betroffen ist, darf außerdem erfahren, was sie für ihn bedeutet. Die Rechenschaft bleibt an der Sache orientiert: Du legst Gründe offen und bist bereit, Dich mit Einwänden auseinanderzusetzen.

Damit ist keine Pflicht gemeint, Dich vor jedem Menschen für jede persönliche Wahl zu rechtfertigen. Umfang und Form der Rechenschaft richten sich nach der Beziehung und nach dem, was Deine Entscheidung andere angeht. Gegenüber jemandem, dem Du eine Zusage gegeben hast, bestehen andere Verpflichtungen als gegenüber einem beiläufigen Beobachter. Auch diese Unterscheidung gehört zu einem vernünftigen Verständnis von Verantwortung.

Verantwortung übernehmen heißt, die Folgen zu bearbeiten

Eine Entscheidung verändert eine Lage. Wenn Du eine Aufgabe verlässt, muss vielleicht eine Übergabe vorbereitet werden; wenn Du eine neue übernimmst, entstehen Erwartungen, auf die andere sich einstellen. Was Du zuvor als mögliche Folge bedacht hast, tritt nun als konkrete Aufgabe vor Dich. Das Einstehen bewährt sich darin, dass Du diese Aufgabe wahrnimmst und das in Deiner Macht Stehende tust.

Beim Berufswechsel kann das bedeuten, verbindlich zu kommunizieren, offene Arbeiten zu ordnen und Absprachen einzuhalten. In anderen Lebensbereichen kann es erforderlich werden, eine entstandene Belastung anzuerkennen, einen Fehler zu berichtigen oder einen vermeidbaren Schaden zu begrenzen. Die Berufung auf gute Absichten reicht dabei nicht aus. Entscheidend bleibt, ob Du auf das antwortest, was Dein Handeln tatsächlich bewirkt hat.

Zugleich hat Verantwortung Grenzen. Du verfügst weder über alle Umstände noch über das Verhalten anderer Menschen, und manche Entwicklung war vernünftigerweise nicht vorhersehbar. Einstehen verlangt deshalb eine genaue Bestimmung Deines Anteils. Frage, was Du wissen konntest, was Du beeinflussen konntest und was Du nach dem Bekanntwerden einer Folge jetzt tun kannst. So wird Verantwortung zu einer bestimmten Aufgabe, die weder durch Ausreden verkleinert noch durch unbegrenzte Selbstanklage entstellt wird.

Verbindlich bleiben und bessere Gründe anerkennen

Mit dem Entschluss beginnt eine Zeit, in der Du dem Gewählten Gelegenheit geben musst, sich im Tun zu bewähren. Eine neue Tätigkeit verlangt Einarbeitung, eine veränderte Gewohnheit Übung, ein klärendes Gespräch vielleicht mehrere Anläufe. Wenn Du bei jeder anfänglichen Schwierigkeit die gesamte Entscheidung widerrufst, kann das verhindern, dass Du die gewählte Möglichkeit überhaupt angemessen kennenlernst.

Die Bereitschaft zum Durchhalten braucht jedoch einen Maßstab. Eine erwartbare Anstrengung besitzt ein anderes Gewicht als die Erkenntnis, dass eine tragende Voraussetzung falsch war. Wenn sich beispielsweise herausstellt, dass die zugesagte Aufgabe tatsächlich nicht ausgeübt werden kann oder eine wesentliche Verpflichtung verletzt wird, betrifft das den Grund Deiner Wahl. Dann ist erneutes Prüfen geboten, auch wenn die Änderung unbequem wäre.

Für Deine Entscheidung einzustehen schließt deshalb die Bereitschaft ein, sie zu berichtigen. Du bleibst dafür verantwortlich, wie Du Dich entschieden hast, und kannst zugleich erkennen, dass sich ihre Begründung nicht mehr aufrechterhalten lässt. Eine Korrektur verlangt dann ebenso Klarheit und Verbindlichkeit wie der erste Entschluss: Was hat sich verändert, weshalb folgt daraus eine andere Wahl, und welche Verpflichtungen sind beim Wechsel zu beachten?

Was der Ausgang über Deine Entscheidung aussagt

Nach einiger Zeit wird sich zeigen, welche Folgen eingetreten sind. Vielleicht gelingt mehr, als Du erwarten durftest; vielleicht entsteht eine Schwierigkeit, die trotz sorgfältiger Prüfung nicht absehbar war. Der tatsächliche Verlauf gibt Dir neue Erkenntnisse. Um aus ihnen zu lernen, musst Du zwischen der damaligen Entscheidungsgrundlage und Deinem heutigen Wissen unterscheiden.

Ein günstiger Ausgang beweist für sich genommen noch keine sorgfältige Entscheidung. Du kannst Glück gehabt haben, obwohl Du einen wichtigen Einwand übergangen hast. Ebenso beweist ein ungünstiger Ausgang für sich genommen noch keine unvernünftige Wahl. Du kannst auf der Grundlage guter Gründe gehandelt haben und dennoch von einer unerwarteten Entwicklung betroffen sein. Prüfe daher, ob ein Fehler im damaligen Denken lag, ob sich die Umstände verändert haben oder ob sich ein bekanntes Risiko verwirklicht hat.

Diese Unterscheidung bewahrt die Auswertung vor vorschnellem Selbstlob und vorschneller Selbstverurteilung. Sie lässt zugleich die Frage offen, welche Verbesserung jetzt möglich ist. Vielleicht musst Du künftig eine bestimmte Voraussetzung genauer prüfen, vielleicht eine Absprache deutlicher treffen oder bei ähnlichen Entscheidungen einen größeren Spielraum vorsehen. Die Erfahrung wird für Dein Denken fruchtbar, wenn Du sagen kannst, was Du aus ihr mit welchem Recht lernst.

Ein Denkversuch: Formuliere Deine verantwortbare Entscheidung

Nimm Deinen bisherigen Kurssatz und die Aufzeichnungen aus dem neunten Schritt zur Hand. Schreibe zunächst einen zusammenhängenden Absatz, der mit den Worten beginnt: „Nach der bisherigen Prüfung entscheide ich mich dafür, …“ Benenne die gewählte Handlung so genau, dass ihr Umfang erkennbar wird. Falls Deine Gründe bisher nur eine begrenzte Erprobung tragen, halte fest, was Du erprobst und welche weiterreichende Entscheidung damit noch offenbleibt.

Begründe Deinen Entschluss in einem zweiten Absatz. Du kannst beginnen: „Für diese Entscheidung spricht vor allem …; maßgeblich ist für mich dabei …“ Nimm anschließend den stärksten Gegengrund auf und erläutere, weshalb er unter den gegebenen Umständen Deine Wahl nicht überwiegt. Benenne außerdem die Unsicherheit, die Du vor dem Handeln voraussichtlich nicht beseitigen kannst, und erkläre, weshalb die Entscheidung dennoch vertretbar ist.

Wende Dich danach dem Einstehen zu: „Mit dieser Entscheidung übernehme ich …“ Beschreibe, welche Verpflichtung Du eingehst, wen Du informieren musst und welchen ersten konkreten Schritt Du bis wann tun wirst. Überlege auch, welche absehbare Schwierigkeit Deine Ausdauer verlangen wird und welche neue Erkenntnis dagegen eine erneute Prüfung erforderlich machen würde. So erhalten Verbindlichkeit und Korrigierbarkeit jeweils einen bestimmten Inhalt.

Lies Deinen Text anschließend so, als hätte ein anderer Mensch ihn geschrieben. Kannst Du erkennen, was er tun will, weshalb er es tun will und wofür er einzustehen bereit ist? Wo eine Lücke bleibt, arbeite sie nach. Bewahre diesen Text auf, damit Du später Deine tatsächliche Entscheidungsgrundlage mit dem eingetretenen Verlauf vergleichen kannst, statt Deine damaligen Gründe erst im Rückblick neu zu erfinden.

Was Du aus diesem Schritt mitnimmst

Eine verantwortbare Entscheidung bringt das Ergebnis Deiner Prüfung in eine verbindliche Form. Du bestimmst, was Du tun wirst, auf welche Gründe Du Dich dabei stützt und welche Verpflichtungen Du übernimmst. Die verbleibende Unsicherheit erhält ihren benannten Platz; sie muss weder verschwiegen werden noch jeden Entschluss verhindern.

Für Deine Entscheidung einzustehen bedeutet, ihre Begründung aussprechen, ihre absehbaren Aufgaben übernehmen und auf neue Erkenntnisse antworten zu können. Du hältst an ihr fest, solange ihre Gründe tragen, und prüfst sie erneut, wenn Wesentliches gegen sie spricht. Welche Entscheidung auch immer Du jetzt triffst: Benenne den ersten Schritt, den sie von Dir verlangt, und den Zeitpunkt, an dem Du ihn tun wirst.