Kurs: KLAR UND VERNÜNFTIG DENKEN! – Schritt 8
Wenn der Gedanke wahr wird und im Leben ankommt
Ein Gedanke reicht weiter als bis zu seinem letzten Wort – Bedenke die Folgen!
Du sitzt am Abend vor Deinem Schreibtisch und betrachtest den Satz, der Dich durch diesen Kurs begleitet: „Ich muss meinen Beruf wechseln.“ Inzwischen hast Du seine Wörter befragt, Wissen von Vermutung unterschieden, Voraussetzungen aufgedeckt und Gründe gegen Gegengründe (Widersprüche) gehalten. Auch das Maß Deines Urteilens ist deutlicher geworden. Du möchtest eine Arbeit finden, für die Du Deine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen kannst und deren Anforderungen Du vor Dir selbst vertreten kannst.
Für einen Augenblick scheint damit die Richtung entschieden. Du stellst Dir vor, wie Du Deinen Entschluss aussprichst, das bisherige Arbeitsverhältnis beendest und Dich einer neuen Aufgabe zuwendest. Dann fällt Dein Blick auf den Kalender. Dort stehen gemeinsame Vorhaben, laufende Verpflichtungen und Aufgaben, die andere Menschen mit Dir verabredet haben. Was bisher als Satz vor Dir lag, beginnt in die Zusammenhänge Deines Lebens hineinzureichen.
Vielleicht empfindest Du nun Erleichterung, vielleicht Sorge, vielleicht beides zugleich. Die neue Aufgabe könnte Kräfte freisetzen, die in Deiner bisherigen Tätigkeit ungenutzt bleiben. Der Übergang könnte jedoch Zeit und Mittel verlangen, über die Du nicht ohne Weiteres verfügst. Dein Gedanke hat eine Richtung gewonnen; nun ist zu fragen, wohin diese Richtung führt, wenn Du ihr tatsächlich folgst.
Vom Maßstab zu den Folgen einer Entscheidung
Im siebten Schritt hast Du danach gefragt, woran Du Dein Urteil misst. Du hast geprüft, weshalb Sicherheit, Wahrhaftigkeit, Freiheit oder eine sinnvolle Lebensaufgabe für Deine Frage Gewicht besitzen sollen. Damit weißt Du genauer, was Deine Entscheidung leiten könnte. Noch offen ist, was aus einer bestimmten Handlung unter den gegebenen Umständen voraussichtlich hervorgeht.
Ein berechtigtes Ziel beantwortet diese Frage nicht von selbst. Du kannst eine sinnvolle Aufgabe anstreben und einen Weg wählen, der ihre Verwirklichung unnötig erschwert. Du kannst Wahrhaftigkeit verlangen und bei der Art, wie Du eine Wahrheit aussprichst, berechtigte Ansprüche anderer übergehen. Zwischen dem, was Du beabsichtigst, und dem, was Dein Handeln bewirkt, liegt ein Zusammenhang, den Du erst untersuchen musst.
Der achte Schritt erweitert deshalb den Blick. Er fragt nach der Tragweite Deines Gedankens: Was setzt er in Bewegung, was ermöglicht er, und was könnte er beschädigen? Die sokratische Leitfrage dieses Kapitels lautet: Was folgt aus meinem Gedanken, wenn ich ihn gelten lasse und nach ihm handle – für mich, für andere und über den nächsten Augenblick hinaus?
Was heißt es, die Folgen mitzudenken?
Eine Folge ist zunächst das, was aus etwas hervorgeht. Doch dieses Hervorgehen kann Verschiedenes bedeuten. Aus einem Satz kann sich eine weitere Aussage logisch ergeben; aus einer Handlung können Veränderungen im Leben entstehen. Wer beides vermischt, hält leicht eine bloße Erwartung für eine zwingende Schlussfolgerung.
Nehmen wir den Satz: „Jede Arbeit, die zeitweise anstrengend ist, sollte aufgegeben werden.“ Wenn Du ihn ohne Einschränkung gelten lässt, müsstest Du auch eine von Dir geschätzte Tätigkeit aufgeben, sobald sie vorübergehend anstrengend wird. Diese Konsequenz ergibt sich aus dem ausgesprochenen Grundsatz. Sie macht sichtbar, wie weit sein Anspruch reicht, und gibt Anlass, ihn genauer zu fassen oder zu verwerfen.
Anders verhält es sich mit dem Satz: „Wenn ich meinen Beruf wechsle, werde ich zufriedener sein.“ Hier beschreibst Du einen erwarteten Verlauf. Ob er eintritt, hängt unter anderem von der neuen Tätigkeit, ihren Bedingungen und Deinen Erwartungen ab. Die erhoffte Zufriedenheit folgt aus dem Wechsel nicht mit logischer Notwendigkeit. Du musst Gründe dafür suchen, sie unter diesen Umständen zu erwarten.
Folgen mitzudenken verlangt daher Genauigkeit im Sagen. „Daraus ergibt sich zwingend“, „damit ist voraussichtlich zu rechnen“ und „das könnte geschehen“ bezeichnen verschiedene Ansprüche. Je deutlicher Du sie unterscheidest, desto weniger können sich Hoffnung und Befürchtung unbemerkt als Gewissheit ausgeben.
Unser Beispiel: Was folgt aus einem Berufswechsel?
Kehren wir zu Deinem Ausgangssatz zurück. „Ich muss meinen Beruf wechseln“ benennt zunächst eine behauptete Notwendigkeit, aber noch keinen bestimmten Weg. Du könntest unverzüglich aufhören, Dich aus Deiner bisherigen Tätigkeit heraus bewerben, eine neue Aufgabe zunächst erproben oder eine zusätzliche Qualifikation erwerben. Diese Möglichkeiten können demselben Ziel dienen und dennoch sehr unterschiedliche Folgen haben.
Damit die Prüfung konkret wird, musst Du deshalb eine mögliche Handlung benennen. Nehmen wir an, Du erwägst, Deine bisherige Tätigkeit zu beenden, bevor eine neue feststeht. Dann wäre zu untersuchen, welche Mittel Dir für den Übergang tatsächlich zur Verfügung stehen, welche Verpflichtungen weiterlaufen und wie lange Du voraussichtlich brauchen würdest, um die nächste Tätigkeit vorzubereiten. Die allgemeine Aussicht auf einen Neubeginn ersetzt diese Klärung nicht.
Zugleich gehören die erhofften Möglichkeiten ausdrücklich in den Blick. Vielleicht gewinnst Du Zeit, um eine bisher zurückgestellte Fähigkeit auszubilden. Vielleicht kannst Du Dich einer Aufgabe widmen, deren Bedeutung Du gut begründen kannst. Vielleicht würde ein Verbleib Deine Kräfte so sehr beanspruchen, dass für diese Vorbereitung kaum Raum bliebe. Wer die Folgen prüft, muss auch das wahrnehmen, was durch eine Veränderung erst möglich werden könnte.
Der Ausgangssatz wird durch diese Überlegungen bestimmter. Vielleicht lautet er nun: „Ich habe gute Gründe für einen Berufswechsel und muss klären, welcher Übergang die neue Aufgabe ermöglicht, ohne meine notwendige Lebensgrundlage zu gefährden.“ Vielleicht zeigt sich auch, dass eine rasche Veränderung geboten ist. Welche Fassung trägt, entscheidet sich an den geprüften Umständen und Gründen.
Die nächste Wirkung ist noch nicht die ganze Folge
Manche Entscheidung wirkt im ersten Augenblick entlastend. Ein schwieriges Gespräch wird abgesagt, eine unangenehme Aufgabe abgegeben, eine drängende Frage vertagt. Die Entlastung ist wirklich; dennoch sagt sie noch wenig darüber aus, wie sich die Lage weiterentwickelt. Das vermiedene Gespräch könnte einen Konflikt verschärfen, die abgegebene Aufgabe könnte jemand anderen überfordern, die vertagte Frage könnte später unter größerem Zeitdruck zurückkehren.
Umgekehrt kann ein zunächst mühsamer Schritt später Möglichkeiten eröffnen. Eine Ausbildung beansprucht Zeit, bevor Du ihre Kenntnisse nutzen kannst. Ein klärendes Gespräch kann unbequem beginnen und eine verlässliche Zusammenarbeit erst ermöglichen. Die zeitliche Nähe einer Wirkung bestimmt noch nicht ihr Gewicht für das Urteil.
Frage deshalb, was unmittelbar geschieht und welche weiteren Entwicklungen daraus plausibel hervorgehen könnten. Welche Gewohnheit wird durch Dein Handeln gestärkt? Welche Möglichkeit bleibt offen, welche wird enger? Auch ein kleiner Schritt kann eine Richtung befestigen, wenn Du ihn immer wieder gehst. Dabei muss jede vermutete Verbindung begründet werden: Eine lange Kette denkbarer Ereignisse wird durch ihre Länge noch nicht wahrscheinlich.
Auch das Bleiben und Unterlassen haben Folgen
Wenn wir eine Veränderung erwägen, betrachten wir häufig besonders aufmerksam ihre Risiken. Das Bestehende erscheint daneben wie ein ruhender Hintergrund, der keiner eigenen Prüfung bedarf. Doch auch die bisherige Lage entwickelt sich weiter. Was heute noch tragbar ist, kann sich verschärfen; eine gute Möglichkeit kann ungenutzt bleiben; eine bestehende Bindung kann sich zugleich als wertvoller erweisen, als Du bisher erkannt hast.
Beim Berufswechsel lautet die Vergleichsfrage daher ebenso: Was ist voraussichtlich zu erwarten, wenn Du bleibst? Vielleicht kannst Du Deine Arbeit verändern, Aufgaben neu vereinbaren oder innerhalb Deines Tätigkeitsfeldes eine passendere Stellung finden. Vielleicht hast Du solche Möglichkeiten bereits ernsthaft geprüft und begründeten Anlass anzunehmen, dass sich das Wesentliche nicht ändern wird. Auch dafür brauchst Du eine nachvollziehbare Einschätzung.
Vergleiche mögliche Wege unter demselben Maßstab. Wenn Du für den Wechsel alle Schwierigkeiten ausmalst, beim Bleiben aber nur das heutige Einkommen siehst, wird Dein Urteil einseitig. Ebenso einseitig wäre es, den Neubeginn ausschließlich nach seinen besten Möglichkeiten und die bisherige Tätigkeit ausschließlich nach ihren schlechtesten Erfahrungen zu beurteilen. Eine faire Prüfung fragt bei jedem Weg nach den begründet erwartbaren Möglichkeiten und Belastungen.
Wer trägt die Folgen Deines Handelns?
Dein Leben ist mit dem Leben anderer Menschen verbunden. Was Du entscheidest, kann gemeinsame Zeit verändern, Aufgaben verlagern oder Erwartungen enttäuschen, auf die andere sich mit guten Gründen verlassen haben. Solche Zusammenhänge gehören zur Sache, auch wenn Dein ursprünglicher Gedanke nur mit „Ich“ beginnt.
Allerdings begründet nicht jede Enttäuschung bereits einen berechtigten Einwand. Jemand kann sich daran gewöhnt haben, dass Du jederzeit verfügbar bist, ohne darauf einen begründeten Anspruch zu besitzen. Umgekehrt kann eine verlässliche Zusage bestehen, die Du bei Deiner Planung berücksichtigen musst. Frage deshalb genauer, wer betroffen wäre, worin die Betroffenheit besteht und welche Ansprüche daraus tatsächlich hervorgehen.
Für Deinen Berufswechsel könnte dies heißen, mit den Menschen zu sprechen, die eine veränderte gemeinsame Lebensführung mittragen müssten. Es könnte ebenso bedeuten, eine Aufgabe geordnet zu übergeben oder eine Zusage neu zu verhandeln. Die Rücksicht auf andere gewinnt dort Bestimmtheit, wo Du benennen kannst, wofür Du ihnen gegenüber verantwortlich bist. Dabei bleibt auch Deine eigene Lebensaufgabe ein Anliegen, das vernünftig zur Sprache kommen darf.
Gilt Dein Grundsatz auch bei vertauschten Rollen?
An dieser Stelle führt die Folgenprüfung zu einer besonders aufschlussreichen Rückfrage. Vielleicht rechtfertigst Du Deinen Entschluss mit dem Satz: „Wenn mich eine Verpflichtung an meiner Entfaltung hindert, darf ich sie jederzeit aufgeben.“ Prüfe, was dieser Grundsatz erlauben würde, wenn ein anderer Mensch sich Dir gegenüber auf ihn beriefe. Würdest Du seine Begründung auch dann anerkennen, wenn Du selbst auf die Einhaltung einer gemeinsamen Vereinbarung angewiesen wärst?
Der Wechsel der Rollen zeigt, ob Du einen Grundsatz vertrittst oder Dir eine Ausnahme zugestehst, deren Kosten andere tragen sollen. Die entscheidende Frage lautet: Wäre ich bereit, diesen Grundsatz auch dann gelten zu lassen, wenn ich nicht derjenige wäre, der von ihm profitiert? Deine Antwort kann sichtbar machen, wo Du mit zweierlei Maß urteilst.
Dabei müssen die Umstände vergleichbar sein. Eine unverbindliche Verabredung und eine verlässliche Zusage können unterschiedliche Ansprüche begründen. Auch Deine Bereitschaft, eine Behandlung selbst hinzunehmen, beweist noch nicht, dass sie gerecht ist. Der Rollenwechsel ist eine Prüfung auf Einseitigkeit; die sachlichen Gründe für den Grundsatz müssen weiterhin untersucht werden.
Warum erwünschte Folgen einen Gedanken nicht wahr machen
Eine Folge kann angenehm sein, ohne dass die zugrunde liegende Behauptung wahr wäre. Der Gedanke „Alle werden meine Entscheidung verstehen“ mag Dich beruhigen. Diese Beruhigung gibt Dir jedoch keinen Beleg dafür, dass tatsächlich alle Deine Entscheidung verstehen werden. Ebenso wenig wird eine zutreffende Einsicht dadurch falsch, dass sie unangenehme Veränderungen verlangt.
Hier bleibt die Unterscheidung aus dem vorigen Kapitel wirksam. Bei einer Behauptung fragst Du nach ihrer Wahrheit; bei einer Handlung auch nach ihrer Berechtigung und ihren absehbaren Wirkungen. Erwünschte Ergebnisse können ein Ziel begründen helfen, ersetzen aber weder die Prüfung der Tatsachen noch die Prüfung der Mittel. Ein erhoffter Vorteil rechtfertigt nicht von selbst eine Täuschung oder das Übergehen berechtigter Ansprüche.
Darum darf die Folgenprüfung nicht bei der Frage stehenbleiben, ob am Ende möglichst viel Angenehmes entsteht. Du musst zugleich fragen, wie dieses Ergebnis zustande käme und was dafür verlangt würde. Der Maßstab aus Schritt 7 bleibt tätig: An ihm prüfst Du die erwarteten Wirkungen und den Weg, auf dem Du sie erreichen möchtest.
Vorausschauen, ohne die Zukunft zu erfinden
Je weiter Du den Blick öffnest, desto mehr Möglichkeiten können sich zeigen. Das verführt mitunter dazu, jede denkbare Entwicklung durchzuspielen, bis überhaupt kein Schritt mehr verantwortbar erscheint. Doch eine bloße Möglichkeit besitzt noch nicht dasselbe Gewicht wie eine gut begründete Erwartung. Auch eine eindringlich vorgestellte Gefahr braucht Gründe dafür, dass sie in Deiner Lage ernsthaft zu berücksichtigen ist.
Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer Folge, nach ihrer möglichen Schwere und nach den Möglichkeiten, ihr zu begegnen. Eine wenig wahrscheinliche, aber schwerwiegende und kaum rückgängig zu machende Wirkung kann besondere Aufmerksamkeit verlangen. Eine wahrscheinliche, geringfügige Schwierigkeit lässt sich vielleicht gut bewältigen. Wo Dir Angaben fehlen, benenne die Lücke und prüfe, wie Du sie verkleinern kannst.
Wie weit diese Untersuchung reichen sollte, hängt davon ab, was auf dem Spiel steht. Eine kleine, leicht korrigierbare Entscheidung verlangt weniger Vorbereitung als ein Schritt, der andere Menschen dauerhaft bindet. Du kannst die Zukunft nur begrenzt voraussehen; innerhalb dieser Grenze kannst Du jedoch sorgfältig unterscheiden, was absehbar ist, was ungewiss bleibt und wo eine Erprobung zusätzliche Erkenntnis ermöglichen würde.
Ein Denkversuch: Verfolge Deinen Gedanken ins Handeln
Nimm Deinen bisherigen Kurssatz zur Hand und ergänze ihn um eine konkrete Handlung: „Wenn ich diesem Gedanken folge, würde ich als Nächstes …“ Benenne einen wirklichen Schritt, dessen Folgen Du untersuchen kannst. Beim Berufswechsel könnte dies ein Gespräch über veränderte Aufgaben, die Vorbereitung einer Bewerbung oder die Erprobung eines neuen Tätigkeitsfeldes sein.
Beschreibe anschließend in einem zusammenhängenden Absatz, welche Folgen Du von diesem Schritt erwartest. Unterscheide die unmittelbaren Wirkungen von den möglichen späteren Entwicklungen und kennzeichne, worauf Deine Erwartungen beruhen. Halte auch fest, wer außer Dir betroffen wäre und welche berechtigten Ansprüche Du berücksichtigen müsstest. Wo Du nur vermutest, soll die Vermutung als solche erkennbar bleiben.
Schreibe einen zweiten Absatz darüber, was voraussichtlich geschieht, wenn Du diesen Schritt unterlässt oder einen anderen Weg wählst. Prüfe dabei ebenso sorgfältig die Möglichkeiten wie die Belastungen. Formuliere danach den Grundsatz, mit dem Du Deine bevorzugte Handlung rechtfertigst, und betrachte ihn bei vertauschten Rollen. Welche Einschränkung braucht er, damit Du ihn auch anderen zugestehen könntest?
Halte zum Abschluss fest: „Für diesen Weg sprechen die erwartbaren Folgen … . Besonders beachten muss ich … . Vor einem weiterreichenden Schritt möchte ich noch klären …“ Vielleicht lässt sich eine offene Frage durch ein Gespräch, eine verlässliche Auskunft oder eine begrenzte Erprobung beantworten. Damit gewinnt Dein Gedanke einen nächsten prüfbaren Schritt, ohne dass Du die ganze Zukunft bereits entschieden haben musst.
Was Du aus diesem Schritt mitnimmst
Die Folgen mitzudenken erweitert den Raum Deines Urteilens. Du siehst genauer, was Dein Gedanke im Handeln beansprucht, welche Möglichkeiten er eröffnet und wem er etwas zumutet. Zugleich kannst Du unterscheiden, was aus einem Grundsatz zwingend folgt und was Du unter bestimmten Umständen lediglich erwartest. Diese Unterscheidung bewahrt die Prüfung vor vorschneller Sicherheit und vor unbegründeter Befürchtung.
Der Gedanke reicht weiter als bis zu seinem letzten Wort, weil Du ihm im Leben folgen kannst. Seine Tragweite wird dort sichtbar, wo aus dem Gesagten eine Handlung und aus der Handlung eine veränderte Lage entsteht. Wer diesen Zusammenhang bedenkt, gewinnt bessere Gründe dafür, einen Weg zu wählen, ihn anders vorzubereiten oder den ursprünglichen Gedanken zu berichtigen.
Dennoch bleibt nach sorgfältiger Prüfung manches offen. Vielleicht fehlen Dir entscheidende Angaben, vielleicht lassen sich verschiedene Entwicklungen noch nicht verlässlich gewichten. Wie Du mit dieser Grenze umgehst, ist die Aufgabe des nächsten Kapitels. Der neunte Schritt lautet: „Ertrage das Noch-nicht-Wissen.“
